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Schreibmaschinen

Ein bärtiger Mann tippt auf einer kleinen, manuellen Schreibmaschine.

Der Herausgeber der Gemeindezeitung „Seven News“ schreibt einen Beitrag, der in der nächsten Ausgabe erscheinen soll.

Bis zu den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert war sämtliches geschriebenes Material – darunter Dokumente, die gedruckt werden sollten – handgeschrieben. Die, die den Druck aufsetzen, arbeiteten mit diesen handgeschriebenen Manuskripten, die lesbar sein konnten, aber es oft nicht waren und somit fehleranfällig waren.

Als die Schreibmaschinen auf der Bildfläche erschienen, revolutionierten sie sofort die Büroarbeit und die Vorbereitung für einen Text, der gedruckt werden sollte. Schreibmaschinen ermöglichten, dass Dokumente erstellt werden konnten (Originale als auch Kopien), die lesbarer waren als die handgeschriebenen Originale. Ein zusätzlicher Bonus war, dass die Schreibmaschine schneller war als mit der Hand zu schreiben. Dank des Nutzens des Kohlepapiers (dünne Papierblätter mit getrockneter Tinte auf einer Seite) war es möglich, mehr als eine Kopie von einem maschinengeschriebenen Dokument zu erstellen. Jedoch war jede nächste Kopie weniger lesbar als die vor ihr. In kleinen linken Gruppen war es üblich, dass Dokumente, die der internen Diskussion dienten, mit einem Original und vier oder fünf Kopien erstellt wurden.

Ursprünglich bezog sich das englische Wort „typewriter“ auf sowohl die Maschine als auch die Person, die sie nutzte. Das Schreiben mit der Schreibmaschine wurde als Frauenarbeit gesehen (im Gegensatz zum Schriftsatz in Druckereien). Diese Arbeit wurde als „anständige“ Tätigkeit für eine unverheiratete Frau betrachtet, und ihr wurde ein höherer Status zugeschrieben als der Fabrikarbeit. Die Vorstellung, dass das Tippen die Arbeit einer Frau war, verfestigte sich so sehr, dass es von Frauen sogar in den linken Bewegungen der 1960er Jahre routinemäßig erwartet wurde, zu tippen. Das ist eines der Beispiele von Sexismus, mit den Frauen kämpfen mussten.

Schreibmaschinen waren ein unerlässlicher Teil des Prozesses, in dem Schablonen für die kostengünstigen Vervielfältigungsmaschinen erstellt wurden, welche das Standbein für Basisaktivistengruppen waren. Statt ein gewöhnliches Stück Papier wurde eine Schablone in die Schreibmaschine eingeführt. Bei jedem getipptem Wort schnitten die Tasten der Schreibmaschine die Schablone an, sodass eine Lücke entstand, durch welche Tinte oder die Mimeographflüssigkeit fließen konnte, sobald die Schablone auf die Vervielfältigungsmaschine platziert wurde.

Schreibmaschinen erforderten Präzision, weil es keinen einfachen Weg gab, um Fehler zu korrigieren. Es gab keine Löschtaste, keine Einfügetaste, keine Cut-and-Paste Option. Es war möglich, kleinere Fehler, wie zum Beispiel einen falsch getippten Buchstaben zu korrigieren, jedoch war es mühsam. Wenn man auf Papier tippte, konnte ein spezieller Radierer genutzt werden, um sorgfältig einen falsch getippten Buchstaben auszuradieren. Wenn eine Schablone vorbereitet wurde, konnte Korrekturflüssigkeit auf die falschen Buchstaben verteilt werden. Nachdem die Flüssigkeit getrocknet war, konnte der korrekte Buchstabe obendrauf getippt werden. Größere Fehler konnten nicht korrigiert werden – die einzige Möglichkeit war, das Ganze neu zu tippen.

 

Eine dunkelgraue Schreibmaschine der Marke Royal befindet sich in einer geöffneten, braunen Tragetasche, die grün liniert ist.

Eine Royal Commander Schreibmaschine in ihrer tragbaren Hülle.

Auch der eigentliche Schreibprozess war mit einer Schreibmaschine anders, verglichen mit den Computertastaturen, die irgendwann entstanden. Da es schwierig war, sogar kleinere Fehler zu korrigieren, und bei größeren Fehlern das gesamte Manuskript erneut geschrieben werden musste, war man sehr motiviert, es beim ersten Mal richtig zu machen. Das heißt, dass man darüber nachdenken musste, was man sagen wollte und es auf die Art, wie man es sagen wollte, niedergeschrieben werden sollte. In der Nischengemeinschaft von Menschen, die noch immer Schreibmaschinen nutzen, hört man die Behauptung, dass man beim Schreiben mit einer Schreibmaschine klarer nachdenken kann als beim Schreiben am Computer.

Schreibmaschinen werden in manchen Teilen der Welt noch verwendet, zum Beispiel in ländlichen Teilen Afrikas oder Lateinamerikas, wo Strom nicht vorhanden ist. Sie werden immer noch in Brasilien produziert.

Zu jener Zeit, bevor es einfache Wege zum Vervielfältigen gab, gab es auch keine Kassettenrekorder und keine Fotokopien. Darum trieb es einen in den Wahnsinn. Jemand musste das Ganze abtippen. Wir nahmen die dünnste Zwiebelhaut, die man finden konnte und machten Kopien. Wenn man das Pech hatte, die siebte oder achte Kopie zu kriegen, würde man gewaltige Schwierigkeiten damit hatten, das verdammte Ding zu lesen! Die Kopien kamen und wir bleiben bis spät in die Nacht wach, um sie zu lesen. Es war fantastisch.

– Martin Glaberman

Martin Glaberman (1918-2001) war ein radikaler Aktivist, ein Gewerkschaftsmitglied und Historiker. Dieses Zitat stammt aus einem Vortrag, den er für das Marxist Institute of Toronto im September des Jahres 1974 über marxistische Ansichten der Arbeiterklasse hielt