Auf dem Meer
Warum segeln wir nicht mit einem Boot dorthin und stellen uns der Bombe?
Im Jahr 1971 trat eine Gruppe von Aktivisten eine etwas andere Art von Protestreise an; nicht auf dem Land, sondern auf dem Meer. Sie protestierten gegen das Vorhaben der USA, Atomwaffen bei Amchitka, in der Nähe von Alaska, auszutesten sowie gegen das damit verbundene Risiko einer Umweltkatastrophe und die Eskalation des Wettrüstens.
In British Columbia versuchte eine lose Gruppe von Aktivisten namens „Don’t Make a Wave Committee“ Wege zu finden, um den geplanten Test aufzuhalten. Eine der Mitglieder der Gruppe, Marie Bohlen, hatte die folgende Idee: „Warum segeln wir nicht mit einem Boot dorthin und stellen uns der Bombe?“. Es war eine wilde und unrealistische Idee, aber sie regte die Fantasie der Gruppe an. Es war zwar eine Herausforderung, das Ganze zu organisieren, aber sie hatten am Ende ein altes Boot besorgt, das „Phyllis Cormack“, und eine Besatzung von 12 Personen zusammengestellt, die nach Amchitka segeln würde. Bevor es losging, beschlossen sie, dass ihr Boot einen Namen haben sollte, der den Zweck ihrer Reise reflektierte. Der Name, den sie wählten, war „Greenpeace“.
Jedoch legen spätere Reiseberichte nahe, dass die Reise von Konflikten und Chaos geprägt war. Einer, der an der Reise teilnahm, berichtete: „Da waren wir und retteten angeblich die Welt durch unser moralisches Beispiel und imitierten keinen geringeren als die Quäker, obwohl wir in der Realität den Großteil unserer Zeit damit verbrachten, einander an die Kehle zu gehen und aufeinanderzuprallen, sodass die Gruppe von Anfang bis Ende gravierend gespalten war.“
Trotz der negativen Aspekte und dem kurzfristigen Ausfall, denn die Amerikaner hatten mit dem Testen begonnen, erwies sich das Wagnis auf lange Sicht als enormen Erfolg. Seine internationale Bekanntheit spornte Menschen weltweit an, sich aktiv an Umwelt- Friedensbewegungen zu beteiligen. Die Amerikaner verkündeten, dass sie keine weiteren Tests auf Amchitka durchführen würden.
Die in Kanada gegründete Organisation „Greenpeace“, welche durch diese Reise ins Leben gerufen wurde, wurde zu einer großen und hochkarätigen Kraft in der internationalen Umweltbewegung und ist auch 55 Jahre später eine ernstzunehmende Macht.
