Photographie

Leica Kamera. Für den Großteil des 20. Jahrhunderts waren die Leica 35mm Kameras für viele Fotojournalisten und professionellen Fotografen die Kameras ihrer Wahl.
Der Gedanke, Licht zu nutzen, um das, was wir sehen, direkt zu „erfassen“, statt nur auf Malereien zurückzugreifen, ist Jahrhunderte alt. Es existierten Variationen der Camera Obscura (Lochkamera) im alten China, im Griechenland von Euklid und Aristoteles, und in der arabischen Welt. Künstler nutzten diese Geräte, um Fotos zu projizieren, die sie dann verfolgen und erläutern konnten. Was fehlte, war, die Fähigkeit, das Foto zu speichern — also es dauerhaft aufzunehmen. Dieser Durchbruch wurde in den 1820er Jahren erreicht, als Nicéphore Niépce, Louis Daguerre, William Fox Talbot und andere die Techniken erfanden, mit denen dauerhafte Kopien erstellt werden konnten. Die neue Erfindung wurde Fotografie genannt (welches wortwörtlich „schreiben mit Licht“ bedeutet).
Schon bald kam die Fotografie nach Kanada und wurde schnell beliebt. Das erste Fotostudio öffnete in Halifax im Jahr 1840. Bis zum Jahr 1865 hatte 360 professionelle Fotografen ihr Geschäft eröffnet – hauptsächlich in Montreal, Toronto, and Halifax. Da beim Aufnehmen von Fotos lange Belichtungszeiten benötigt wurden, fokussierten sich die ersten Fotografen auf Landschaften und Porträts (für die es bezahlende Kunden gab). Diese konnten nämlich lange genug still bleiben. Zeitschriften und Zeitungen waren ein weiter potenzieller Markt, wenn das Problem mit den langen Belichtungszeiten gelöst werden konnte. Ihr Interesse galt hauptsächlich der Nachrichtenfotografie, wie sie später heißen würde. Ein erster Schritt wurde im Jahr 1848 gemacht, als eine französische Zeitung ein Foto der Barrikaden veröffentlichte, die in Paris während des Aufstands vom Juni 1848 aufgestellt wurden. Aber erst in den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts gingen die Dokumentarfotografie und der Fotojournalismus hervor und führten zu einem neuen Trend. Statt, dass die Fotos als Illustrationen eingesetzt wurden, um einen Text zu ergänzen, standen im neuen Modus von Fotostorys die Fotos im Zentrum.
Der Fotojournalismus und die Dokumentarfotografie hatten im 20. Jahrhundert in Kanada einen hohen Stellenwert. Welche Fotos aufgenommen wurden und wie sie genutzt und interpretiert wurden, wich stark voneinander ab, entsprechend der Intention des Fotografen und derjenigen, die ihn angestellt hatten.
Nach der Jahrhundertwende spielte die Fotografie eine wichtige Rolle darin, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf soziale Probleme zu lenken. Die Fotos von unhygienischen Verhältnissen in den Elendsvierteln in der Innenstadt Torontos am Anfang der 1900er Jahre sowie später im Jahrhundert führten zu öffentlichen Gesundheitsinitiativen und Reformen des Sozialsystems. Die Art, wie solche Fotos eingesetzt und interpretiert wurden, konnte kontrovers sein, und Aktivisten, die sich mit sozialen Belangen beschäftigten, kollidierten manchmal. Beispielsweise wurden Fotos von den Slum-Verhältnissen von liberalen Reformern genutzt, um für Projekte zu werben., die der „Massenräumung“ von Elendsvierteln dienten. Währenddessen erhofften sich die Bewohner Verbesserungen, die es ihnen ermöglichten, in ihrem Zuhause zu bleiben. Kritikerin Marjaleena Repo verdeutlicht in ihrem Aufsatz Photography and the Powerless (Fotografie und die Machtlosen), wie Fotografen die Armen sowie die Arbeiterklasse als „Probleme“ darstellen, statt als Menschen, die Zugang zu Ressourcen brauchen, mit denen sie Probleme lösen könnten.
Seit den 1960 er Jahren nutzten soziale Bewegungen zunehmend Fotografie zur Selbstrepräsentation sowie als Mittel für soziale Veränderung. Die Frauenrechtsbewegungen sowie die Homosexuellenbewegungen gehörten zu jenen, die einen umfangreichen Nutzen von Fotografie aufwiesen, um ihre Handlungen, beispielsweise Paraden, Proteste und Konflikte mit der Polizei zu zeigen.
