Der Schablonendruck
An einem kalten Wintertag am Anfang des Jahres 1976 war eine Gestetner-Maschine am Werk. Indem sie Seiten im Keller eines United Church Gebäudes in Toronto produzierte, war sie keineswegs unauffällig. Das Projekt an diesem Tag war eine brandneue 28-seitige Veröffentlichung mit der Beschriftung „Pilot Copy“ von einer neu gegründeten Organisation: der Canadian Information Sharing Service (Kanadischer Informationsaustauschdient). Auf die Pilot Copy folgten positive Reaktionen, sodass die Veröffentlichungen 18 Jahre lang weiter gingen. Bald änderte die Organisation ihren Namen zu Connexions, der Name, unter dem sie ein halbes Jahrhundert später noch bekannt ist.
An diesem Tag stapelten sich die gedruckten Blätter auf Haufen und die freiwilligen Kollektivmitglieder, die hinter diesem neuen Unterfangen steckten, begannen damit, sie zu sammeln und einzelne Kopien der Veröffentlichung zusammenzustellen. Jemand tackerte die Ecken und die Newsletter waren fast startklar. Alles, was fehlte, war: das Adressetikett und eine Briefmarke auf jede Kopie anzubringen, und sie abzuschicken. Die Post erledigte den Rest: sie schickte sie den Individuen und Organisationen in ganz Kanada.
Mimeographen und Gestetner-Maschinen wie jene, die in dieser Geschichte eine zentrale Rolle spielen, waren viele Jahre lang das Standbein der Aktivistenorganisationen sowie Kirchen und Gemeindeorganisationen jeder Art – kurzgesagt: für jede Gruppe, die sich die Kosten eines gewerblichen Druckers nicht leisten konnte. „Gestetner“ ist der Markenname einer Familie von schablonenbasierten Vervielfältigungsmaschinen. Es gab und gibt noch immer andere Marken, aber die Beliebtheit des Gestetners führte dazu, dass sein Name zum Standard wurde.
Schablonenbasierte Vervielfältigungsmaschinen entstanden aus dem gemeinsamen Bedürfnis, eine geringe Kopienzahl von einem Dokument zu produzieren. Es war möglich, Veröffentlichungen sehr kurzfristig, beispielsweise innerhalb von einer oder zwei Stunden zu produzieren, wenn es dringend war. Ein weiterer Vorteil war, dass es kostengünstig war, diese Maschinen zu erlangen und sie einfach zu betreiben waren, da hierfür keine spezielle Qualifizierung benötigt wurde. Man musste lediglich so achtsam sein, dass man es vermied – hoopla! – die eigene Kleidung mit Tinte zu beschmieren. Manche Modelle mussten manuell mit einer Kurbel betrieben werden und konnten dadurch ohne Strom benutzt werden. Tatsächlich werden handbetriebene Vervielfältigungsmaschinen auch heute in vielen Teilen der Welt benutzt, in denen Strom nicht zuverlässig verfügbar ist.
Mimeographen ermöglichten es kleinen Organisationen, ihre Texte zum ersten Mal selbst zu veröffentlichen. Neben der Maschine wurde lediglich eine Schreibmaschine benötigt, um die Schablonen zu erstellen sowie Tinte, Papier und etwas, was man sagen wollte. Jahrzehnte lang waren Mimeographen praktisch in jeder Schule und Kirche zu finden, genauso wie in den vielen weitere Orten, die von der Gemeinschaft und von politischen Gruppen besetzt wurden.

