Auf der Strasse
Auf die Straße zu gehen war schon immer eine der Strategien, die Aktivisten nutzten, um die Öffentlichkeit auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Demonstrationen und Märsche sind sichtbar, oft laut, und eine Möglichkeit, mit Menschen direkt auf der Straße zu interagieren.
Während solche Handlungen überall stattfinden, kann es auch vorkommen, dass Aktivsten es als notwendig empfinden, ihre Anwesenheit an Orten bemerkbar zu machen, wo Entscheidungen getroffen werden. In Kanada ist dies oft Ottawa, oder eine Provinzhauptstadt.
Der Abortion Caravan
Im Jahr 1970 war es das Thema Abtreibung, das eine weitere Protestbewegung entfachte, die sich nach Ottawa begab. Viele Frauen waren zutiefst unzufrieden mit dem Abtreibungsgesetz, welches die Regierung im Jahr 1969 erlassen hatte. Das neue Gesetz erlaubte Abtreibungen nur stark eingeschränkt. Der Vancouver Women’s Caucus, eine neue linke feministische Organisation, hatte die Idee, in Form eines Abortion Caravans aufzubrechen und damit den On-To-Ottawa Trek von 1935 zu imitieren. Das Ziel war, ihr Anliegen, nämlich die Selbstbestimmung der Frau bei einer Schwangerschaft (Pro-Choice), zu verbreiten und unterwegs Unterstützer zu gewinnen.
In April des Jahres 1970 verließ eine Gruppe von Frauen in einem gelben Cabrio, einem Kleintransporter und einem Volkswagen Bus, auf dessen Autodach ein schwarzer Sarg angebracht war, Vancouver. Während sie quer durchs Land reisten, hielten sie in Gemeinschaften an, um Versammlungen abzuhalten, Guerilla Theaterstücke vorzuführen, und sich die Geschichten der Frauen anzuhören.
Der Abortion Caravan kam am Muttertagswochenende im Jahr 1970 in Ottawa an. Mehr als 500 kanadische Frauen kamen zusammen – Kleiderbügel und schwarzer Sarg im Schlepptau – und forderten die Legalisierung eines uneingeschränkten Zugangs zu Abtreibungsdiensten für alle kanadische Frauen. Als der Justizminister John Turner verkündete, dass das Gesetz nicht verändert werden würde, betraten knapp drei Dutzend Frauen die Besuchertribüne, ketteten sich an ihre Plätze und sorgten im House of Commons für Unruhe und Störungen. Es war das erste Mal, dass das House of Commons aufgrund eines Protestes gezwungen war, zu schließen. Das Ereignis sorgte für eine landesweite Berichterstattung.
Der Abortion Caravan führte nicht zu unmittelbaren Veränderungen, aber er spielte eine bedeutsame Rolle darin, das Problem sichtbar zu machen und Unterstützung zu gewinnen.
Der Native Peoples Caravan

Das Manifest des Native People’s Caravan skizzierte die Beschwerden und Forderungen der indigenen Völker. Vern Harper, einer der Anführer des Caravans, schrieb später in seinem Werk “Following the Red Path” über die Geschichte des Caravans.
Die 1960er und frühen 1970er Jahre waren eine Zeit, in der die indigenen Völker politisch sehr aktiv waren; also wurden neue Wege, Aufmerksamkeit zu gewinnen und Erfolge zu erzielen erkundet. Im Jahr 1974 führte dies zum Native People’s Caravan – ein Protest, der quer durch Kanada, nämlich vom Westen bis nach Ottawa reiste.
Er zielte darauf ab, die indigenen Rechtsbewegungen zu vereinen, auf die Schwierigkeiten, die die indigenen Völker im ganzen Lande erlebten, aufmerksam zu machen sowie die vom Caravan festgelegten Forderungen direkt an die Regierung weiterzuleiten.
Der Caravan reiste in gemieteten Bussen und verließ Vancouver am 15. September 1974. Sein Weg nach Ottawa ging dem Trans-Canada Highway entlang. Er legte Pausen ein, um in Großstädten Kundgebungen zu halten, Geldmittel aufzubringen und die Anzahl seiner Teilnehmenden zu erhöhen. Während seiner Reise vergrößerte sich der Caravan und bestand zum Zeitpunkt des Erreichen Ottawas aus ungefähr 200 Teilnehmenden.
Am 30. September 1974 versammelten sich die ca. 200 am Caravan Teilnehmenden am Parliament Hill und schlossen sich den ca. 300 weiteren Anhängern an. Obwohl sie unbewaffnet waren, begegnete die RCMP ihnen mit Barrikaden und Polizeisondereinheiten vor den Treppen zum Parlament.
Obwohl Repräsentanten des Staates sich weigerten, sich mit dem Native People’s Caravan zu treffen, und dessen Forderungen nicht erfüllt wurden, bewirkte er eine erhöhte Aufmerksamkeit der Medien und ein gestiegenes Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Herausforderungen der indigenen Völker. Dem Caravan wird zugesprochen, die Grundlage für zukünftige indigene politische Bewegungen geschaffen zu haben.
